Wort zur Woche
An letzten Januarsonntag wird in vielen Gemeinden der Bibelsonntag begangen. Die Bibel ist die Grundlage unseres christlichen Glaubens. „Doch wir entfernen uns doch immer weiter von der Welt der Bibel“, hörte ich vor einiger Zeit jemand sagen. „Meine Kinder entfernen sich immer mehr von dieser Lebenswelt. Die Botschaft der Bibel lässt sich immer schwerer auf unsere moderne Zeit übertragen“ fuhr er fort. Und weiter meinte er. „Die Pfarrer werden es immer schwerer haben die biblische Botschaft interessant an modernen Zeitgenossen zu vermitteln.“ Ist diese Zustandsbeschreibung richtig?Vordergründig gesehen scheint der Mann (und er ist wirklich kein die Kirche und den Glauben ablehnender Mensch) den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben.
Viele junge Menschen kennen die Geschichten der Bibel nicht mehr, auch zu Hause werden sie ihnen nicht mehr vermittelt. Auch scheint das orientalische Umfeld und das auf Gemeinschaft ausgerichtete Denken der Bibel unserem freiheitsliebenden und individuellen Denken von heute zu widersprechen. Nach wie vor gibt es in Deutschland mehr Kirchenaustritte als -eintritte.
Aber das ist nur die eine und vordergründige Seite.
Im Religions- und Konfirmandenunterricht spüre ich zuweilen das Gegenteil. Nicht nur, dass es faszinierend ist, wie Kinder begeistert in der Grundschule biblische Geschichten erfassen und nachspielen und dabei manchmal auf viel grundsätzlichere Art die Wahrheit und Anstößigkeit von biblischen Wahrheiten erfassen als wir Erwachsene das tun. Sie haben ein Gespür für Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, die uns Erwachsenen durch unseren Verstand manchmal schon wieder verdeckt sind.
Wenn ich andererseits sehe, mit welcher Ernsthaftigkeit auch viele Jugendliche und junge Erwachsene in der Gemeinde die Bibel lesen und wie sie versuchen danach zu leben, dann ist mir vor der Zukunft der christlichen Botschaft nicht bange. Heute gibt es ja für viele Zielgruppen passende Übersetzungen von Kinderbibeln über Konfirmandenbibeln, Sportlerbibeln bis zu Kunstbibeln. Ich erlebe immer wieder: So fremd auch die Lebenswelt der Bibel für junge Leute heute sein mag, sie spüren, dass in diesem Buch Schätze verborgen liegen, bei der sich die Mühe lohnt, sie zu heben. Sicherlich versteht man ohne Einführung und Erläuterung viele Texte der Bibel nicht sofort, aber es lohnt sich, dran zu bleiben. Die Bibel ist kein papierner Papst und nicht in Stein gemeißelt. Sie enthält das lebendige Wort Gottes. In erster Linie erzählt sie uns vom Mensch gewordenen Wort Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Das ist die Mitte der Bibel. Gott kommt uns ganz nah, wird Mensch, einer von uns und möchte uns in seiner Nähe haben. Wir liegen ihm auf dem Herzen. Weil er auch unsere menschlichen Abgründe kennt, will er uns gelingendes Leben schenken. In der Bibel haben viele verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Gott gemacht. Das macht die Bibel nicht unglaubwürdiger, sondern umso menschlicher und wahrhaftiger, weil wir in ihr in einer großen Dichte die Fülle menschlicher Erfahrungen erleben. Unser Leben, jedes Leben ist verwoben in diese existentiellen Glaubenszeugnisse, die uns selbst herausfordern, Position zu beziehen. Besonders in Gesprächsgruppen und Glaubenskursen machen viele Menschen die Erfahrung, dass sie auf ganz tiefe und persönliche Weise vom Wort der Bibel angerührt werden.
Ich lade sie ganz herzlich ein zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen in ihrer Gemeinde und mache ihnen Mut zum Austausch mit anderen, um ihr Leben immer wieder im Licht der Glaubenserfahrungen der Bibel zu spiegeln. Es lohnt sich!
Ihr Pfr. Hartmut Kraft aus Würzbach
