Wort zur Woche

„Er lässt mich nicht hängen!“

So stand auf einem Blatt meiner Schüler der dritten Klasse. Er – Gott lässt mich nicht hängen. Sie konnten frei assoziieren zu dem Satz „Der Herr ist mein Hirte!“. Vielleicht kennen Sie diese Worte – der Beginn des Psalm 23. Viele Konfirmandinnen und Konfirmanden werden diesen Psalm inzwischen kennengelernt haben. In den nächsten Wochen werden Sie konfirmiert. Überall stimmen sie sich auf diesen großen Tag ein. Sicher wird bei einem oder anderen Gottesdienst dieser Psalm 23 gesprochen. Was bedeuten Ihnen diese Worte aus Psalm 23?

„Er lässt mich nicht hängen!“ Ich fand diese Assoziation einfach genial. Manchmal, da lasse ich mich hängen, weil mir alles zu viel wird oder ich einfach mal meine Ruhe brauche. Vielleicht fühlen sich dann andere von mir hängen gelassen und sind sauer auf mich. Manchmal, da erlebe ich, wie mich andere hängen lassen. Ich stehe allein da und packe es nicht. Besonders schmerzlich ist dies dann, wenn ich gerade in Schwierigkeiten bin und so dringend den oder die andere brauche.

Anders bei der Erfahrung des jungen Psalmbeters: Da versteht einer den Satz vom Hirten so, dass da einer ist, der mich nicht hängen lässt, egal was passiert. Da ist einer, dem bin ich nicht gleichgültig.

Diese Erfahrung machte Petrus. Das schlechte Gewissen plagte ihn. In der entscheidenden Stunde hatte er Jesus hängen lassen. „Jesus? Nie gehört!“ Dreimal verneint er seine Freundschaft! Dann krähte der Hahn und Petrus erkannte sein Versagen. Er, der Felsenmann war innerlich zerbröselt. Beim Fischessen Wochen später nimmt ihn der auferstandene Jesus beiseite und fragt ihn dreimal: „Hast du mich lieb?“ Petrus ist Jesus nicht egal. Jesus lässt ihn nicht hängen. Er traut ihm mehr zu. Werde vom Felsenmann zum Hirten, sorge gut für andere: „Weide meine Schafe!“ (Joh 21,17)

Was sagen Sie? Welche Erfahrungen haben Sie mit Gott und Psalm 23 schon gemacht? Ich wünsche Ihnen mit allen Konfirmandinnen und Konfirmanden die Erfahrung des Psalmbeters, dass Gott für Sie jemand ist, der für Sie ist, der zu Ihnen gehört, der Ihnen das gibt, was Sie brauchen. Einer, bei dem Sie sich auch mal hängen lassen können. Und vor allem wünsche ich Ihnen, dass Sie die Erfahrung machen, dass Er sie nicht hängen lässt, sondern dass Sie gehalten sind jeden Tag - jetzt in der kommenden Woche.

„Der Herr ist MEIN Hirte.“

 

Pfarrer Jörg Schaber; Neuhengstett-Ottenbronn