Wort zur Woche

Der Gelämte sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Apg 3,8

Loben zieht nach oben

Der Gelähmte hatte es schwer. Tagein, tagaus saß er am Straßenrand und bettelte nach einer milden Gabe. Er war darauf angewiesen, dass die da draußen ihm körperlich halfen, ihm seelisch beistanden und geistlich für ihn beteten.

Denn gelähmt zu sein bedeutet, dass ein Mensch so langsam wird, dass er oder sie sich nicht mehr bewegen kann. Die Lähmung kann zum einen physisch sein. Das heißt, dass ich körperlich eingeschränkt bin. Ich benötige ständig Hilfe von außen. Entweder andere Personen, die mich versorgen und pflegen oder aber andere Hilfsmittel wie einen Rollstuhl oder dergleichen. Die Lähmung kann zum anderen psychisch sein. Das heißt, dass mein Gemüt eingeschränkt ist. Richtig starrsinnig blicke ich die Schwierigkeiten des Lebens an und komme nicht darüber hinweg. Die Gefühle, die mit solchen Situationen einhergehen, bestimmen mein Leben. Ich bin unfrei. Die Lähmung kann darüberhinaus geistlich sein. Das heißt, dass meine Beziehung zu Gott eingeschränkt ist. Ich danke ihm nicht. Ich habe mit Gott eigenlich nichts zu tun. Er ist mir egal.

Der Gelähmte in unserer Geschichte ist auf allen drei Ebenen gelähmt, obwohl er das nicht sein müsste. Dass er physisch sich nicht bewegen kann, dafür kann er nichts. Aber dass er seelisch und geistlich starr ist, dafür schon. Er hätte doch schon während seiner Lähmung Gott loben können. Ihm danken, dafür, dass er ein Kind Gottes ist, dass er ihn gemacht hat und lieb hat. Aber das tat er nicht. Und genau das ist die geistliche Lähmung. Wie die Maus vor der Schlange konzentrierte er sich auf die Dinge, die er nicht beeinflussen konnte. Und machte alle und jeden dafür verantwortlich. Und Gott auch.

Gott hingegen heilt von Grund auf. Dass heißt, zu aller erst hebt er die geisliche Lähmung auf. Nun kann der Gelähmte Gott loben. Damit geht die psychische und physische Freiheit einher. Der Gelähmte sprang und freute sich und er konnte wieder stehen und gehen.

Ja, so hat das alte Sprichwort „Loben zieht nach oben“ recht. Bei Gott nehme ich Fahrt auf, so dass ich eine Bewegungsfreiheit erlange, die mich grundlegend heilt.

Knut Hinrichs, Pfarrer der Petruskirchengemeinde Maisenbach