Wort zur Woche

Mit Blindheit des Herzens geschlagen?

 

Die biblische Geschichte der Emmaus-Jünger aus Lukas 24 ist auf den ersten Blick ein Text, der nicht so richtig in diese Jahreszeit zu passen scheint. Für mich ist der Text, der mich, rückblickend auf unsere Sommerfreizeiten, mit am meisten zum Nachdenken gebracht hat.

 

Bei unserer Kinderfreizeit in Veitsweiler haben wir uns mit biblischen Texten aus der Passions- und Osterzeit auseinander gesetzt und sind mit den Kindern darüber ins Gespräch gekommen.

Die Emmaus-Jünger begegnen auf  ihrem Weg in ein Dorf einem Mann  der sie ein Stück begleitet. Später gibt sich der Wegbegleiter als Jesus zu erkennen.

 

Ihre Stimmung war nach dem Tod Jesu an Kreuz von Golgatha vergleichbar mit einem grauen, nebligen und tristen Herbstmorgen. Mein erster etwas vorwurfsvoller Gedanke über die beiden Männer, der mir ins Gedächtnis kam: „Wie kann man Jesus nicht erkennen, wenn man mit ihm gelebt hat?“

 

Ein unterschwelliger Begleiter dieses Gedankens war meine Selbstsicherheit, dass mir das sicher nicht passiert wäre. In meiner Vorstellung müsste der Glaube an einen sichtbaren, spürbaren und leibhaftigen Jesus viel einfacher sein als heute über 2000 Jahre später.  Vermutlich eine etwas vereinfacht Glaubensvorstellung.

 

In der Bibelübersetzung nach „Hoffnung für alle“ heißt es in Lukas 24, 16 „Aber sie – wie mit Blindheit geschlagen – erkannten ihn nicht“.

Als Brillenträger mit einer etwas höheren Dioptrienzahl kann ich gut nachvollziehen, wie es sich anfühlt wenig zu sehen

 

Ziemlich sicher ist es kein Augenleiden, dass die beiden Männer auf dem Weg nach Emmaus haben, wohl eher eine „Blindheit des Herzens“. Die Kinder auf der Freizeit hätten es mit „sie haben es nicht gecheckt und gerafft“ beschrieben.

 

Wie oft checke und raffe ich Dinge nicht, die ich sehr wohl sehe, aber nicht wahrnehme? Wie oft passiert es mir, dass ich nicht registriere, dass die Gestik und Mimik meines Gesprächspartners nicht zu seinen Worten passt?  Wie leicht überhöre ich die leisen Töne und Andeutungen in manchen Gesprächen, die ein Türöffner und eine Brücke zu einem anderen, wichtigeren Gesprächsthema sein sollen?

 

Mehr als mir lieb ist und oft merke ich es überhaupt nicht. Spätestens jetzt sind der vorwurfsvolle Gedanke und meine Selbstsicherheit gegenüber den Emmaus-Jüngern weg. Ich checke und raffe genauso wenig wie sie oder bin auch mit Blindheit geschlagen.

 

Die beiden Männer haben es gecheckt als Jesus sich durch das Brotbrechen zu erkennen gab. Da ist  ihnen klar geworden, wer mit gelaufen ist, Jesus.

Manchmal bemerke ich die leisen Töne und Andeutung auch noch und checke das eigentliche Anliegen. Oftmals wohl auch nicht. Die Emmaus-Jünger machen mir meine eigene Blindheit deutlich und erinnern mich auf die leisen Töne, die Andeutungen und Mimik zu achten, damit ich mehr checke.

 

Markus Buck, Jugendreferent im Evangelischen Bezirksjugendwerk Calw