Calwer Vesperkirche wichtig für Menschen. Wie ein wunderschöner Gottesdienst.

Das Ziel der Initiatoren wurde erreicht: Calw und Umgebung saß für 10 Tage zusammen an einem Tisch. Es fanden sich über 250 Menschen, die Gemeinsinn bewiesen und in einem Kraftakt 10 Tage lang zeigten, dass in Calw und Umgebung miteinander großes geleistet werden kann. Ein Vesperkirchengast fasste es in Worte: „Hier findet ein Stück Calwer Stadtentwicklung statt.“

Menschen aus unterschiedlichen Milieus, Wohlhabende und Bedürftige nahmen sich gegenseitig wahr. Es gelang Begegnung und Gespräch trotz Fremdheit. Darüber geriet das Essen manchmal fast zur Nebensache. Und dass das Ganze unter dem Dach der Kirche stattfand, störte diejenigen überhaupt nicht, die sonst der Kirche eher distanziert gegenüberstehen. Die Atmosphäre war so offen, dass alle mittun konnten. Und doch – so sagten viele – war die Vesperkirche die Fortsetzung des Gottesdienstes – oder sogar selbst ein Gottesdienst.

Bewegendes und Erstaunliches konnte man beobachten. Schon der Anblick der Kirche brachte die Eintretenden zum Staunen: Die Spedition Bauer hatte mit riesigem Aufwand die 48 schweren Kirchenbänke abtransportiert und für 10 Tage zwischengelagert. Ohne dieses Engagement wäre die Vesperkirche gar nicht möglich geworden. Nun war die Kirche freundlich und hell. Man saß an festlich gedeckten Tischen.

Über 500 Portionen musste die Metzgerei Blum täglich zubereiten. Alle paar Minuten war der Transporter des Tafelladens Carisatt unterwegs von der Lederstraße in Richtung Stadtkirche. In der Kirche waren alle Generationen vertreten. Ganze Kindergartengruppen tummelten sich neben den Gästen aus dem Seniorenzentrum Torgasse.

Gegen 13 Uhr trafen die Jugendlichen der benachbarten Schulen ein. Abteilungen aus Firmen, Verwaltungen und Büros teilen und genießen Zeit gemeinsam. Ein Fahrdienst holte Menschen ab und brachte sie wieder nach Hause. Familien ließen sich bei der Kinderecke nieder. In stillen Ecken saßen einzelne im Gespräch mit dem Seelsorger vertieft.

Die Band von Jayantha Gomes, die Ratz-Fatz-Band, die Damen von Stimm3 und Hans-Jörg Kalmbach machten Tischmusik. Auf der Empore ließen sich Männer und Frauen von Frisören verschönern. Im Chorraum spürten Gäste die Nähe Gottes bei der Segnung und Salbung. Am Ausgang umarmten sich Leute, die sich gerade erst kennengelernt hatten. Im Arztzimmer schilderte jemand dem anwesenden Arzt sein Leiden.

Und überall immer wieder: Lachen, Fröhlichkeit und Gelassenheit! Eine Frau sagt: „Hier werde ich behandelt wie ein Mensch.“

Es war fast wie ein Wunder: Es wurde spürbar, wie es sein könnte, wenn die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich, oben und unten geheilt wäre. Ein Stück Himmel auf Erden. Wenigstens für 10 Tage. Leben satt! Satt werden an Leib und Seele. Gemeinschaft erleben.

Es geschah Heilung. Zusammenwachsen. Aufeinander zugehn. Traumhaft.

 

Das sagten Gäste und Mitarbeitende:

„Hier werde ich als Mensch behandelt.“ (ein Gast)

„Dass es so etwas gibt, hätte ich nie gedacht: So krass unterschiedliche Leute an einem Tisch. Und die schweigen sich nicht an.“ (ein Gast).

„Hier geschieht ein gutes Stück Stadtentwicklung!“ (eine Mitarbeiterin)

„Hätte nie gedacht, dass diese Stadt zu solche einer lebendigen, anteilnehmenden, tragenden Gemeinschaft fähig ist. Das glaubt man nicht, wenn man sonst durch die Straßen Calws geht. (Aus dem Gästebuch)

„War seit sieben Jahren zum ersten Mal wieder beim Arzt. Habe mich nie zum Arzt getraut. In der Vesperkirche habe ich mich getraut.“ (der Obdachlose)

„Himmlisch! Ich will gar nicht mehr weg.“ (ein Gast)

„Ich habe seit Jahren nicht mehr so ein Gefühl des Angenommen seins verspürt!“ (ein Gast)