Wort zur Woche

Wie kommt die Gans zum Heiligen Martin?

Martinsgans, Martinsfeuer, Martinswecken oder Martinsbrezeln, Pferd, Reiter und natürlich Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.

Viele Bräuche und Legenden ranken sich um den Heiligen Martin. Was tatsächlich so war und was so nach und nach daraus entstanden ist, das ist bei Sankt Martin sehr fließend und nicht mehr ganz so genau nachzuprüfen Aber er ist aus vielen Gründen bis heute populär.

Am 8. November 397 stirbt Martin, der 11. November war sein Bestattungstag. Dieser Tag war damals bereits ein Feiertag, ein Feiertag für die Bauern. An diesem Tag war die Feldarbeit beendet und die Ernte verarbeitet. Und es war der Tag, an dem die Bauern ihre jährliche Pacht zahlen mussten. Natürlich mit Lebensmitteln. Also, was liegt da nahe, wenn man denn eine hatte, diese Schuld mit einer gut genährten Gans zu begleichen.

Mit seiner Mantelteilung ging Martin als Vorbild der Menschlichkeit und Nächstenliebe in die Geschichte ein. Deshalb ist dieses Ereignis bis heute die wichtigste Geschichte mit und über Sankt Martin. Denn bis heute gilt dieser für uns Christen zentrale Satz aus dem Matthäusevanglium:

„Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ Mt 25,40.

Jesus sagt aber auch von sich: „Ich bin das Licht der Welt “Joh 8,12.

Als angehender Christ hat Martin durch seine Mantelteilung das Licht Christi zu dem Bettler gebracht. Wir alle sollten uns freuen, dass Kinder mit Ihren Laternen und Liedern diese Form der Nächstenliebe durch die Straßen tragen.

Alle, die heute oder in diesen Tagen mit ihren Laternenlichtern unterwegs sind, sollten sich darum dieser Bedeutung bewusst sein. Das Fest das Heiligen Martin darf daher nicht für ein kommerzielles Laternenfest missbraucht werden, es hat seine Wurzeln im Christentum und wird es immer haben.

Licht sein für Andere. Für Menschen, die zu der Zeit des Heiligen Martin lebten, hatte das wohl auch praktisch eine ganz andere Bedeutung als für uns heute. Und darum ist dieses Licht für Andere sein auch das zentrale Thema des heutigen Tages.

Zum Glück gibt es Jesus für uns, der uns Licht zu jeder Jahreszeit sein will, Licht das uns leuchtet, das uns hell machen kann, ohne uns hinter einer Maske oder Fassade verstecken zu müssen.

Zum Glück, gibt es Jesus für uns, der uns den Geist der Kraft und Liebe gegeben hat, der uns stark und mutig für das Leben macht und uns die Kraft geben kann, uns für andere einzusetzen.

Zum Glück gibt es den heiligen Martin, der durch sein Lebensbeispiel andere bis heute ermutigt, mit den Menschen zu teilen, die es nötig haben.

Zum Glück gibt es die Laternen, die uns den Weg durch die Finsternis bahnen, so wie es Gottes Wort auch tut, wenn man es ernst nimmt und sich daran orientiert.

Zum Glück gibt es das Brauchtum rund um den Martinstag, das uns daran erinnert, uns für die Würde Anderer, und für den Frieden in der Welt einzusetzen.

Zum Glück, hat Gott da schon sein Haus gebaut, und da wohnt er auch schon in unserer Welt.

Andrea Bolz, Seelsorgeeinheit Calw-Bad Liebenzell