"Zufriedenes Leben jenseits von Likes und Ich-Bezogenheit." Das Wort zur Woche von Dekan Holger Winterholer.

"Wer sich ständig fragen muss, ob er „in“ ist und was er macht auch „angesagt“ ist, wer sich nach „Likes“ und „Follower“ müht und sich dabei auch verdreht und verkrümmt, erlebt das Leben eingeschränkt." Das Wort zur Woche von Holger Winterholer.

Kraftvoll wie ein mächtiger Baum!

Die warmen Sonnenstrahlen lassen einen in diesen dunklen und düsteren Tagen stets aufatmen. Doch noch zieht sich der Winter hin und der Frühling muss noch auf sich warten lassen. Wir empfinden dies gewöhnlich für bedrückend und beschwerlich. Die Sehnsucht nach Farbe und Sonne wächst. Wie schön wäre ein warmer Sommertag, mit vielen Grüntönen in der Landschaft an einem beschaulichen Bach. Das wäre doch ein Ort zum Aufatmen für Leib und Seele.

Im Alten Testament, beim Propheten Jeremia, gibt es dafür ein wunderschönen Text: „Gesegnet der Mensch, der auf Gott vertraut und dessen Hoffnung Gott ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen.“ (Jermia 17,7).

Zu schön um wahr zu sein? – Viele Menschen kommen auch ohne Gott ganz gut aus und führen ein gutes Leben. Manchmal scheint der Glaube wie eine Bremse zu sein, der Grenzen setzt und einschränkt. Aber nur auf den ersten Blick.

Wer kümmerlich ist und seinen Reichtum zusammenhält, wer sich ständig fragen muss, ob er „in“ ist und was er macht auch „angesagt“ ist, wer ständig von einem Event zum nächsten jagt und sich nach „Likes“ und „Follower“ müht und sich dabei auch verdreht und verkrümmt, erlebt das Leben eingeschränkt. Wer mit Gott durch das Leben geht und die hellen und dunklen Zeiten, die Höhen und Tiefen des Lebens mit Gott an seiner Seite durchwandert, der kann tatsächlich etwas von den Worten des Propheten spüren. Dieser Mensch braucht sich nicht zu fürchten, er kann ohne Sorge sein und er wird Früchte tagen.

Was mag das konkret für uns heute heißen? – Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Glaube an Gott uns Menschen frei macht. Es führt zu einer Gelassenheit und zu einem tiefen Vertrauen in das Leben.

Die einfache Frage, ob das jetzt wirklich für mich gut ist und ob die Sache auch wirklich die meine ist, führt weg von der Gefangenschaft fremder Interessen zu meinen eigenen. Innere Freiheit, tief gegründeter Optimismus und eine Perspektive für die Zukunft kann uns der Glaube schenken. Kraftvoll wie ein mächtiger Baum voll grüner Blätter, der an einem sprudelnden Bach sein Wasser zieht und seine Zweige weit in den Himmel ragt, ist dann wirklich ein glaubender Mensch.

Einer, der mit beiden Beinen auf der Erde steht und zugleich sich ausstreckt in den Himmel.

Dekan Holger Winterholer; Nagold